Alles was auch so’n bisschen experimenteller war

Im Moment läuft in Leipzig die Gesprächsreihe und Ausstellung „Samisdat und Subkultur“ in Kooperation mit Radio Blau, die „alternative Publikationskultur des illegalen Selbstverlags im Realsozialismus mit einem Schwerpunkt auf popkulturelle Phänomene“ vorstellt: Fanzines der Subkulturen im Osten, die in den 1980er Jahren vor allem durch Punk und Post Punk beeinflusst waren. Wir haben uns mit Andre Friedrich unterhalten, der im Leipzig der Jahre 1988-1991 am Fanzine Messitsch mitgewirkt und es mitbegründet hat… Bis Ende 1989 erschienen wohl sechs Ausgaben des Hefts. Ab 1990-1991 erschienen dann in thematisch und ästhetisch erweiterter Form im Opossum-Verlag in Ostberlin neun Ausgaben, ehe es dann Mitte 1991 mit dem Magazin NMI (Neue Musik-Information aus Ostberlin) fusioniert ist und auch an den Bahnhofskiosken der gesamten Republik erhältlich war. 1994 ging es dann den Weg alles vergänglichen. Seinen Humor hat es sich bewahrt, enthielt viele Comics von u.a. Schwarwel und Fil und erweiterte sein Wirkungsfeld durch Mitwirkende aus dem Umfeld des Jugendradios DT64, wie etwa Lutz Schramm. Wie das Fanzine Messitsch ausgesehen hat, ist hier im Blog Tape Attack dokumentiert. Eine spätere Erscheinungsform ist auch die Messitsch Radio Show im Programm von Radio Blau.


Hier noch ein ein Gespräch mit Kurator Alexander Pehlemann. In Polen und Ungarn sowie der ehemaligen Tschechoslowakei gab es schon früh eine eigene Entwicklung, die auch mit den subkulturellen Entwicklungen der 1970er Jahre zusammenhängt. In Polen gab es schon 1979 kurzlebige Hefte wie das Szmata oder Punk. In der DDR gab es brieflichen Austausch mit Fanzines im Westen, etwa in Dresden durch Jörg Löffler oder in Berlin Hefte im Umfeld der Alösa-Konzerte, z.B. das Inside. Vor allem zu den Szenen der Nachbarländer gab es auch Verbindungen seitens der DDR-Subkultur, mit einem späteren Aufblühen in künstlerischen Magazinen wie Liane oder dem Leipziger Fanzine Messitsch.

Wir waren beim Bürgermedientag 2025 in Weißenfels. Dort konnte unsere mehrsprachige Redaktion „Echo Leipzig“ ihre vielfältige Arbeit in einem Impulsvortrag vorstellen und beeindruckte die Gäste mit ihrer Leidenschaft für freies Radio. Auch unsere journalistische Auseinandersetzung mit der Clubkultur in Leipzig präsentierten wir anhand der Beispiele „FrohFroh“, „Vaya Radio“ und „Diving into“. Damit konnten wir deutlich machen: Ehrenamt braucht strukturelle Förderung – also Stellen, die dieses Engagement organisatorisch unterstützen. Zahlreiche weitere interessante Bürgermedien-Projekte aus ganz Mitteldeutschland bestätigten diese Notwendigkeit. Ergänzt wurde die Veranstaltung durch eine Einführung sowie eine spannende Podiumsdiskussion. Bleibt zu wünschen, dass auch Politik und Landesmedienanstalten die Bedeutung dieser dritten Säule der Medienlandschaft für eine demokratische Gesellschaft – gerade in Zeiten von KI und Desinformation – weiterhin anerkennen und unterstützen. (mehr …)

Wir waren beim Bundeskongress der freien Radios, der Zukunftswerkstatt Community Medien in Chemnitz. Dort haben wir uns vielen anderen Radiomachenden aus dem deutschsprachigen Raum ausgetauscht und über Themen wie Partizipation, Inklusion, Programmaustausch, dem Umgang mit Hierarchien und Angriffen von Rechts diskutiert. War super, nun wollen wir die frischen Eindrücke in Leipzig umsetzen.