Der Sachzwang ist bloße Ideologie. Gleichzeitig ist er aber auch real. Ideologie „wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift“, bemerkte schon Karl Marx. Und es gibt keinen Grund anzunehmen, daß dies nicht auch für die Kritik aller Ideologie gelten soll. Mit diesem Verhältnis von Subjektivem zu Objektivem ist gleichzeitig auch schon alles über das „Verhältnis von Theorie und Praxis“ gesagt. Immer nur Radio hören! Immer nur lesen! Immer nur klug daherfaseln! Tu doch mal was! Von wegen …

Vergangene Sendungstermine

  1. Vor zehn Jahren starb Robert Kurz (1943–2012): Auch von so manchem Kapitalismuskritiker wurde er, Mitbegründer eines neo-marxistischen Theoriezweigs namens Wertkritik, belächelt – angesichts nicht enden wollender Kurz’scher Krisenprognosen, die seit den 90er Jahren publiziert wurden. Daß das Witzeln verstummt ist, liegt sicher nicht nur daran, daß Robert Kurz im Juli 2012 überraschend verstorben ist, sondern wohl vor allem am Zustand einer Welt, die in ihrer marktwirtschaftlich-kapitalistischen Verfaßtheit nur noch dystopische Zukunftsvisionen zuzulassen scheint. Zwar kapriziert sich die Kurz’sche Analyse, ganz in Marx’scher Tradition, auf ökonomische Aspekte, während die akute Krise offenbar eine universelle, substantielle ist – doch ist bekanntlich die Ökonomie die Leitwissenschaft der bürgerlichen Gesellschaft, ihre Imperative gerinnen zum Sachzwang, der die ganze Welt in politischen, juristischen, ökologischen, militärischen usw. Aspekten umklammert. Sodaß die Kritik der politischen Ökonomie auch im 21. Jahrhundert noch ihre Relevanz behält, und sei es nur, um die allseitige Krise über ihre offensichtlichen Symptome hinaus adäquat auf den Begriff zu bringen. Daß Kurz eine Genugtuung empfunden hätte, derart bitter recht zu behalten, darf bezweifelt werden.

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