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Noisexistance II

Noise treibt sein Unwesen in der Nachrichtentechnik, in Informationstheorie und Kybernetik, in den Sozialwissenschaften und in der Musik. Noise kann ein ungewolltes Geräusch, einen störenden Rest, ein Rauschen, einen Überschuss von Lärm oder gleich das Gegenteil von Information und ästhetischem Sinn bezeichnen. Noise ist ein Wort, das genau das tut, was es bezeichnet: sich der Festlegung entziehen, Unruhe stiften, Unordnung anrichten. Seit den 1980er Jahren hat sich an den Rändern der Popkultur ein experimentelles Genre entwickelt, das sich dieser verdrängten Seite des Hörbaren bedient, die Grenzen des musikalisch Möglichen radikal erweitert und unter der Bezeichnung Noise etabliert hat.

Dabei widersetzt sich das exzentrische Potential von Noise seiner Vereinnahmung in die offiziellen Informationskreisläufe. Das Verhältnis von Macht und Widerstand wird von Noise im Bereich des Hörbaren konkret problematisiert: Macht und ihr Umschlagen in Gewalt äußern sich in einer Lautstärke, die Gehorsam erzwingen will, zugleich sind Lärm und Störung Begleiterscheinungen von Protest, Unordnung und sozialem Aufruhr.

Jenseits, aber nicht abseits dieser audiopolitischen Sphäre bleibt Noise eine sperrige und radikale Form des künstlerischen Experiments, deren ProtagonistInnen in internationaler Vernetzung nach neuen Verknüpfungspunkten, akustischen Identitäten und nie zuvor gehörten Klängen forschen.

Vom 02. bis 04. März fand in Hamburg die zweite Ausgabe des internationalen Festivals Noisexistance statt, das es sich zur Aufgabe gesetzt hat, diese vielfältigen Positionen zusammenzubringen und ihnen in Konzerten, Vorträgen und Workshops ein Forum zu geben.